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St. Luke's Mission Hospital
Hanna Davis-Ziegler
"Wir waren wie eine große Familie"


Volksblatt Würzburg 22.05.2002


Die Ärztin Hanna Davis-Ziegler wirkte 54 Jahre
in Afrika - Drei Kliniken aufgebaut

Text u. Foto: Andreas Mettenleiter

Würzburg. "Die schicke Bluse? Die stammt von Marks & Spencer; habe ich letzte Woche in London gekauft", sagt Hanna Davis-Ziegler und freut sich über das Kompliment. Die 84 Jahre, davon 54 Jahre in Afrika, sieht man der resoluten alten Dame nicht an: eine echte "Lady", humorvoll, unprätentiös und manchmal von entwaffnender Direktheit.
"Wissen Sie, heute fragt Sie jeder, von welcher Organisation oder von welchem Orden Sie kommen. Aber was die Laien für den Gesundheitsdienst in Afrika geleistet haben, das wird völlig unterschätzt!" Dr. Davis-Ziegler muss es wissen: Seit 1948, als sie an ein Hospital in Fatima kam, hat sie gemeinsam mit ihren Kolleginnen drei Krankenhäuser in Simbabwe aufgebaut: 1950 St. Luke an der großen Landstraße zu den Victoria Fällen, 1960 St. Paul's im Norden der Bischofsstadt und 1964 St. Anne's Brunapeg im Süden des Landes.

Damals war vieles einfacher und unbürokratischer, von der Beantragung von Geldern bis hin zur Entscheidung über nötige Baumaßnahmen. Mit dem Landrover wurden die Patienten besucht und Kontakt mit den übrigen Krankenhäusern gehalten. Einheimische "Nurses" sorgten für die Verständigung. In schweren Fällen wurden die Patienten ins staatliche Krankenhaus in der Distrikthauptstadt Bulawayo eingewiesen.

"Wir waren wie eine große Familie. Was haben wir mit den Kolleginnen gealbert und Spaß gehabt", erinnert sich die Missionsärztin an die Pionierjahre in Simbabwe. "Powerfrauen" würde man die vier abenteuerlustigen Medizinerinnen heute nennen, die sich mit Wagemut und Gottvertrauen auf das Unternehmen "Missionsmedizin" einließen. Umso härter traf es die "Missionsfamilie", als ihre Kollegin Hannah Decker 1977 von einem betrunkenen Freischärler der Rebellenarmee erschossen wurde.

Wie kommt man auf die Idee, Missionsärztin zu werden? Dr. Davis-Ziegler nahm schon als Oberschülerin an den Sommercamps der Organisation "Missionskreuz Studierende Jugend" teil, auf denen sie Gleichgesinnte traf. Einige der Mädchen traf sie in Würzburg wieder, als sie in das Missionsärztliche Institut eintrat, den Missionseid ablegte und Medizin studierte. Drei dieser Studienfreundinnen kamen dann später auch nach Afrika, um die ehemalige Kommilitonin bei ihrer Tätigkeit in Rhodesien, dem heutigen Simbabwe, zu unterstützen.

Die Studienzeit war entbehrungsreich, aber das Ziel ließ Hanna Davis-Ziegler Mühen und Schwierigkeiten vergessen. "Ich wollte immer Missionsärztin werden. Nur deshalb habe ich Medizin studiert", bekennt die alte Dame heute. Um der Arbeitertochter das Studium zu ermöglichen, legten Freunde und Verwandte zusammen. 1943 war es geschafft: Die junge Medizinerin bestand das Staatsexamen. Damals war freilich an einen Missionseinsatz nicht zu denken: Deutschland befand sich im Krieg. Die frisch gebackene Frau Doktor wurde von der Universität weg notdienstverpflichtet und einem Amtsarzt zugeteilt. "Dort habe ich für meine spätere Tätigkeit enorm viel gelernt", urteilt sie rückblickend. "Kinderreihenimpfungen, Gesundheitsaufklärung, Prävention, all das konnte ich in Afrika gut gebrauchen."

1947 ging Hanna Davis-Ziegler nach England, "sonst hätte ich mich niederlassen müssen, und dann hätte ich den Absprung nicht mehr geschafft". 1948 begann dann ihr Einsatz in Rhodesien. Heute lebt die Ärztin als Pensionärin in Bulawayo.

Schlangen, Spinnen, Skorpione? Ist das nicht abschreckend für eine Frau? "Wissen Sie, da muss man eben Schuhe tragen", sagt die Doktorin augenzwinkernd. Was sie in Afrika am meisten beeindruckt hat? Die Natürlichkeit, Fröhlichkeit und die große Ehrlichkeit der Einheimischen. Sprachbarrieren gab es nie.

"Warum bist Du so traurig?", wurde Dr. Davis-Ziegler bei der Visite von zwei alten, unheilbar krebskranker Männer gefragt. "Weil ich Euch nicht wirklich helfen kann." "Da brauchst Du nicht traurig zu sein. Wir gehen in unseren Himmel", wurde die weiße Ärztin getröstet.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert Tätigkeit in Afrika beurteilt die Missionsärztin den Medizinbetrieb in Deutschland kritisch: Viel zu viele unnötige Laboruntersuchungen und viel zu wenig Zeit, um den Patienten zuzuhören und um mit ihnen zu reden.